Stark ist schön.

Als ich vor rund einem Jahr mit CrossFit begann, sagte mir Felix -der mich als Freund zu dem von ihm und Goran eröffneten CrossFit am Rhein einlud und damit meinen CrossFit Weg ebnete- voraus, dass sich mein Sinn für Ästhetik verändern würde. Nun muss ich dazu sagen, dass ich durch meine Arbeit in den Mode- und Medienbranchen bereits eine etwas verzerrte Wahrnehmung von Ästhetik und Schönheitsidealen hatte. Sagen wir mal so, neben einem schönen Geist habe ich auch etwas mehr für den schönen und schlanken Körper übrig.

Nun sind die gesundheitlichen Defizite und Gefahren von ‚zu dünn‘ genauso bekannt wie die von ‚zu kräftig‘. Dabei ist ‚zu kräftig‘ aber dann doch nur ein netter Ausdruck für Adipositas.

Ein weiblicher Körper, an dem die Rundungen nicht nur durch Energiespeicher, sondern auch Muskulatur gebaut, bzw. geprägt wird, zählt meiner Meinung nach (und hier spreche ich als eigene Person und Autor, nicht als CrossFit Werk) mehr zu den Kreationen natürlicher Schönheit. Ein durch Fast Food und künstlich angereicherte Ernährung gemesteter Körper kann nicht ernsthaft dazu zählen. Doch bevor nun zu viel verbaler Gegenwind ins Gesicht schlägt, so oberflächlich bin ich dann doch nicht, und eine Grundsatzdiskussion über Gewicht, Körpermaße und Gesundheit will ich an dieser Stelle nicht lostreten.

Felix hat aber Recht behalten, meine Wahrnehmung von Schönheit hat sich wirklich verändert. Schlank bleibt schön, aber stark ist es auch. Ähnliches muss sich der in Santa Barbara lebende Fotograf und Fimlemacher Dewey Nicks gedacht haben. In seinem Filmprojekt“Strong is Beautiful“ für die WTA (World Tennis Association) hat er zahlreiche Athletinnen der weiblichen Tennis-Weltelite filmisch festgehalten. Der Kurzfilm zeigt mit beeindruckenden Bildern die Kraft, Eleganz und Schönheit menschlicher Bewegung, wie sie in Zeitlupe besonder sichtbar wird. Die Aufnahmen machte Dewey mit einer Phantom EFX Kamera, die 600 Bilder pro Sekunde macht.

Dewey Nicks: Strong is Beautiful on Nowness.com.

Und nun mal Hand aufs Herz: Liegt die Schönheit der Protagonistinnen nicht auch in Ihrer Stärke, und gründet Ästhetik nicht auf Gesundheit?

Nun müssen wir mit unserem CrossFit-Wissen hinterfragen, wie stark die Tennisspielerinnen wirklich sind. Nicht zu hinterfragen ist, dass sie viel trainieren und ihre Körper sehr athletisch anmuten. CrossFit Gründer ‚Coach‘ Glassman würde vielleicht schnell die ‚beach muscles‘ (Strandmuskulatur) ansprechen, die auch viele Kunden üblicher Fitnessstudios haben. Formschöne Muskulatur, die optisch viel vermuten lässt, aber im direkten Leistungsvergleich wenig überzeugen kann. Das reale Kraftleistungsvermögen, also über den vollen Bewegungsradius verfügbare (Schnell-/Maximal-)Kraft (-Ausdauer) ist dann nicht so abrufbar, wie bei Athleten zu den CrossFit Games nötig ist.

So ist Tennis, das lange Zeit als der ‚weiße Sport‘ weniger den kräftigen, sondern eher agilen Menschen auch aufgrund der soziokulturellen Strukturen zugänglich war, kein Sport bei dem Maximalkraft direkt nötig wäre. Mit Technik konnten Spieler wie ‚Pistol‘ Pete Sampras, André Agassi und Boris Becker gute Aufschläge fabrizieren, ohne die kräftigen Arme und Körper wie Rafael Nadal zu haben. Trotzdem würden wir wohl deutlich mehr und stärkere Aufschläge sehen, würden die CF-Methoden angewandt, um ein ausgewogeneres Training und damit physische Leistung zu fördern. Mir liegen leider keine konkreten Werte vor, aber gern würde ich meine persönlichen Werte gern mal mit denen der vorher genannten Idole vergleichen. Und dann bleibt die Frage, wie wäre Tennis heute. Aus anderen Sportarten wie American Football oder den Gymnasten und Turnern sehen wir viele, die mit ihren Grundlagen schnell beim CrossFit Anschluss finden. Aber vom Tennis sehe ich noch niemanden wechseln. Wie lange es wohl noch so bleibt?


Beitrag veröffentlicht

in

von

Schlagwörter: